Vakuumtherapie bei Paula (V.A.C.)

Immer wieder kommt es auch in der Tiermedizin dazu, dass sich großflächige Wunden infizieren oder schlecht heilen, so dass ein klassischer Wundverschluss nicht möglich ist. In unserem aktuellen Fallbericht möchten wir diese speziellen Wunden und neue Behandlungsmöglichkeiten genauer vorstellen.

Die 2,5 Jahre alte Doggenhündin „Paula“ wurde in unserer Klinik mit einer stark infizierten Brustdrüse und geschwollenem Hinterlauf vorgestellt.

Das gesamte Gewebe, von der Leiste ausgehend bis zum Sprunggelenk, hatte sich entzündet und war großflächig abgestorben. Nach Entfernung der abgestorbenen Hautareale samt infizierter Brustdrüse lag nun ein sehr großer Wundbereich frei, der nicht mehr primär verschlossen werden konnte. Daher entschieden wir uns gemeinsam mit Paulas Besitzern zur Behandlung mittels Unterdrucktherapie.

Diese Methode stammt ursprünglich aus der Humanmedizin und wird in Deutschland bereits in einigen Tierkliniken mit großem Erfolg angewandt. Prinzip ist, dass auf die offene Wunde ein steriler Schwamm gelegt und das gesamte Areal mit einer Folie luftdicht verschlossen wird.

In dieser Folie wird mittig ein Loch platziert und dort ein Schlauch mit Pumpe angeschlossen, um einen konstanten Unterdruck (Vakuum) im Wundbereich zu erzeugen. Der Schwamm saugt hierbei über einen Zeitraum von 2-3 Tagen je Behandlungszeitraum (infizierte) Wundflüssigkeit und abgestorbene Zelltrümmer auf, welche in einer Kartusche der Pumpe aufgefangen werden. So wird die Wunde gleichzeitig fortlaufend gesäubert, die Schwellung im Wundbereich reduziert, die Wundränder zusammengezogen und die Durchblutung angeregt. Aufgrund des erzeugten Vakuums wird diese Behandlungsmethode auch als „Vacuum Assisted (Wound) Closure“ (VAC) bezeichnet.

Bei Paula verringerte sich die initial großflächige Wunde innerhalb kurzer Zeit und überzog die gesamte Fläche mit vitalem Granulationsgewebe, welches die Grundlage für eine gute Wundheilung darstellt. So konnte innerhalb weniger Wochen der Wunddurchmesser halbiert werden. In einem zweiten Schritt wurde die Wundhöhle im Leistenbereich mittels rekonstruktionschirurgischer Maßnahmen verkleinert. Anschließend bekam Paula eine Verbandstherapie mit silikonbeschichteten Wundauflagen um die weitere Abheilung der Wunde zu beschleunigen.

 

Verlauf der Behandlung:



Aufgrund der großflächigen Veränderungen gestaltete sich die Therapie bei Paula relativ aufwendig und war mit einem längeren stationären Aufenthalt verbunden. Nach 2 Wochen Klinikaufenthalt konnte sie endlich entlassen werden. Fälle wie Paula kommen glücklicherweise nicht so häufig vor. In weniger komplizierten Fällen lässt ist je nach Wundsituation auch eine ambulante Therapie mittels der sog. SNAP durchführen.

Wir freuen uns sehr, dass wir Paula mit der neuartigen Therapie helfen konnten und sie nach dem langen Klinikaufenthalt wieder zu alter Kraft zurückfindet. Mit Hilfe dieser besonderen Wundbehandlung können wir helfen, dass unsere Patienten schneller wieder ein normales Leben ohne Einschränkungen führen können. Haben Sie Fragen dazu, sprechen Sie uns gerne an.

Ihr Team der Tierklinik in Posthausen.

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