Ohrentzündungen beim Kaninchen – ein häufiges Problem bei Widdern

Ohrerkrankungen bei kleinen Heimtieren kommen viel häufiger vor als gemeinhin bekannt. Gerade beim Widderkaninchen kommt es durch die züchtungsbedingte Abknickung der Ohren häufig zu Entzündungen des äußeren Gehörgangs.

Was niedlich aussieht birgt aber gesundheitliche Probleme. Größere Ansammlungen von Eiter und Ohrenschmalz können zu schmerzhaften Auftreibungen am Ohrgrund führen, den sogenannten Ohrgrundabszessen. Dringt die Infektion bis ins Mittelohr vor, kann es auch dort zu massiven und schmerzhaften Entzündungen kommen, die unbehandelt zu einer Infektion des umliegenden Knochens, neurologischen Störungen (z.B. Kopfschiefhaltung, Hochziehen der Oberlippe etc.) und schließlich zum Tod führen.

 

 

Um abzuklären und unsere Kaninchenhalter zu sensibilisieren möchten wir Ihnen heute die chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten ohrerkrankter Kaninchen näherbringen.

Ohrerkrankungen können sehr tückisch sein und lange Zeit unbemerkt bleiben. Hinweisgebende Symptome sind:

  • häufiges Kopfschütteln
  • vermehrtes Kratzen am Ohr
  • stinkende und aus dem Ohr laufende Flüssigkeit
  • Beule am Ohrgrund
  • Kopfschiefhaltung
  • Hochziehen der Oberlippe (meist einseitig)
  • fehlender Schluss der Augenlider (meist einseitig)

Allerdings können durch eine Ohrerkrankung auch ganz unspezifische Erkankungsanzeichen wie Abgeschlagenheit, eine reduzierte oder vollständig eingestellte Futteraufnahme ausgelöst werden. Da eine Therapie mit Medikamenten allein, z.B. durch Antibiotika, in diesen Fällen in der Regel keine nachhaltige Besserung bringt, sind manchmal unterschiedliche chirurgische Maßnahmen erforderlich, um dem betroffenen Tier zu helfen.

Ist nur das äußere Ohr betroffen, reicht manchmal eine gründliche Reinigung in Narkose (ggf. mit Hilfe eines Endoskopes). Ist der äußere Gehörgang allerdings chronisch verändert, z.B. stark erweitert im Rahmen eines Ohrgrundabszesses, bleibt zumeist nur eine Entfernung der seitlichen Gehörgangswand – einer sog. lateralen Gehörgangsablation – um dem Tier dauerhaft zu helfen. Liegt eine kombinierte abszedierte Infektion des äußeren Gehörganges und des Mittelohres vor, wird in der Regel eine partielle Gehörgangsablation zusammen mit einer laterale Bullaosteotomie durchgeführt. Bei dieser Operationsmethode wird der untere Teil des äußeren Gehörgangs vollständig entfernt und das Mittelohr, welches vereinfacht ausgedrückt eine kleine Knochenblase darstellt, mit Hilfe eines Präzisionsbohrers eröffnet. Anschließend erfolgt eine mikrobiologische Tupferprobeentnahme und es werden Eiter sowie Entzündungsprodukte vorsichtig mit steriler Kochsalzlösung ausgespült.

 

 

Von den genannten Problemen sind leider besonders viele Widder-Kaninchen betroffen, weswegen ein Blick in die Ohren und ein Abtasten des Ohrgrundes in regelmäßigen Abständen durch einen Tierarzt durchgeführt werden sollte. Bei Verdacht auf eine Mittelohrproblematik ist zusätzlich bildgebende Diagnostik erforderlich. Moderne Röntgentechnik kann hier auch beim feinen Kaninchenknochen Aufschluss bringen. Die Computertomographie ist jedoch das Mittel der Wahl, da sie sehr präzise und stressarm arbeite und bei uns auch am wachen Kaninchen durchgeführt wird.

 

 

Haben Sie Fragen dazu, sprechen Sie uns gerne an. Frau Dr. Thöle berät Sie als Spezialistin für Heimtiere und Kleinsäuger rundum.

Ihr Team der Tierklinik in Posthausen

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