Auslandsaufenthalt auf der Makoa-Farm in Tansania

Auf der Seite berichtet unsere Tiermedizinische Fachangestellte Antonia Gerken von ihren Erfahrungen auf einer Wildtierfarm in Tansania, auf der sie für drei Monate gelebt, gearbeitet und mit ganzem Herzen Tierschutz betrieben hat. Wir freuen uns, dass sie trotz der wundervollen und lehrreichen Zeit den Weg zurückgefunden hat und wieder bei uns arbeitet. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

 

Anfang Dezember 2019 sollte das große Abenteuer starten – 3 Monate lang würde ich ins ferne Afrika, genauer gesagt ins wunderschöne Tansania auf die Makoa-Farm am Fuße des Kilimanjaros reisen. Für dieses Projekt wurde ich von meinen Chefs in der Tierklinik Posthausen freigestellt. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal bedanken möchte, da es mich sehr vorangebracht hat.



Am 04. Dezember ging die Reise über Dubai zum Kilimanjaro International Airport los, wo ich von Raphael – dem Fahrer der Makoa-Farm – mitten in der Nacht abgeholt wurde. Nach zunächst sehr guten Hauptstraßen, sind wir auf eine kleinere unebene Staubstraße eingebogen, um schließlich auf die Zufahrtsstraße der Makoa-Farm zu kommen.

Auf der Farm früh morgens angekommen und etwas erholt von der langen Reise, habe ich meine drei Mitvolontäre kennengelernt: ein junges Pärchen aus Deutschland, das mich anlernen sollte, um dann bald wieder abzureisen und die liebe Oshin, welche aus der nächst gelegenen größeren Stadt Moshi kommt und auf der Farm vor allem an der Social Media-Arbeit mitwirkt. Durch die drei habe ich eine Führung über die Farm bekommen, um mir einen guten Überblick zu verschaffen. Zu den vielen beheimateten Tierarten zählten sowohl Haustiere wie Hunde und Katzen, als auch Farmtiere wie Rinder, Gänse, Esel, Pferde und selbstverständlich unzählige Wildtiere wie Eulen, Elefanten, Zebras, eine Manguste, eine Servalkatze, ein Adler und ein Gepard, viele Affen und zwei Marabus. Für alle wilden Tiere, die auf der Makoa-Farm leben, gilt grundsätzlich das Ziel, diese wieder auszuwildern.

Sollten die Tiere noch medizinisch versorgt werden müssen oder keine Chance auf eine Wiederfreilassung auf Grund von schweren Verletzungen haben, dann ist ihnen ein lebenslanger Platz auf der Makoa-Farm sicher. Sie werden dann Teil der Kilimanjaro Animal CREW. Sie erhalten einen Namen sowie tägliche Beschäftigung und Pflege.

Die Makoa-Farm trägt ihren Namen auf Grund des nebenliegenden Flusses und wird von den deutschen Tierärzten Elisabeth Stegmaier und Dr. Dr. Laszlo Paizs geführt. Sie bieten Reitsafaris und Farmurlaube an, um somit das Herzensprojekt der „Kilimanjaro Animal C.R.E.W.“ zu finanzieren. CREW steht für „Center for Rescue, Education and Wildlife“ in Tansania und verschreibt sich dem Ziel, verletzten und verwaisten Tieren aller Art, wieder auf die Beine zu helfen und zurück in die Wildnis entlassen. Außerdem leisten die Tierärzte Bildungsarbeit mit dem farmeigenen Kindergarten. Hier lernen bereits die Kleinsten, dass Tiere wertvoll sind und geschützt werden müssen. Erweitert wird die Arbeit durch kostenlose Führungen für ältere Schulklassen mit vielen Informationen über die dort lebenden Tiere. So wird nachhaltig Tierschutz betrieben. Denn häufig werden Tiere im sogenannten „Human-Wildlife-Conflict“ verletzt, zum Beispiel auf Grund von Aberglaube oder Unwissenheit im Umgang mit ihnen. Diese Arbeit mit den Kindern hat schon nach kürzester Zeit Früchte getragen, als nämlich ein verletztes Kleinstböckchen (Ducker) durch eine Kindergruppe selbstständig aufgepäppelt und dann an die CREW übergeben wurde.



Meine täglichen Aufgaben auf der Farm waren sowohl pflegerischer als auch medizinischer Natur. Ich war für die Fütterung und den täglichen Check der hauseigenen Tiere auf Verletzungen oder sonstige Unregelmäßigkeiten zuständig. Hierbei habe ich eng mit den Farm-Mitarbeitern zusammengearbeitet, die alle Tiere sehr gut kennen. Mehrfach wurde ich Zeuge der afrikanischen Pferdepest. Die erkrankten Pferde mussten intensiv, auch während der Nacht, überwacht werden.

Nicht nur die hauseigenen Tiere wurden medizinisch versorgt oder Wunden kontrolliert, sondern auch die stationären Patienten (Hunde und Katzen). Auf der Farm gibt es eine kleine tierärztliche Praxis, in der vor allem Laszlo arbeitet und Operationen wie Kastrationen, Tumorentfernungen oder andere lebensrettenden Tätigkeiten durchgeführt werden. Außerdem fährt er einmal in der Woche in die nächstgelegenen Städte, um Hausbesuche zu machen und dort weniger akute Fälle zu behandeln, Impfungen durchzuführen oder die Polizeihunde und -pferde zu untersuchen und zu behandeln. Dort war ich überall als helfende Hand dabei und habe die Dokumentation, sowie Anästhesie oder Assistenz bei den Operationen übernommen.

In Zusammenarbeit mit dem ansässigen Tierheim wurde eine Impfaktion gestartet, bei der wir einen ganzen Tag lang etwa 50 Hunde entwurmt und gegen Tollwut geimpft haben. Auch ein Kastrationsprojekt wurde während meiner Zeit in Tansania ins Leben gerufen. So haben wir 30 Hunde eines Massai-Dorfes eingesammelt und sowohl Rüden als auch Hündinnen kastriert. Hier habe ich Venenzugänge geschoben, die Narkose überwacht und die Tiere für die Operation vorbereiten. Für all diese Prozesse war ich eine wichtige Unterstützung, was durch meine Ausbildung in der Tierklinik überhaupt erst möglich gemacht wurde.

Auch hier wird auf Nachhaltigkeit geachtet, denn ein tansanischer Tierarzt wurde ebenfalls eingeladen. Die Ausbildung zum Tierarzt in Tansania ist nicht ansatzweise vergleichbar mit dem europäischen Studium. Da dieser Tierarzt aber viel Eigeninitiative und -interesse zeigte, wurde ihm Schritt für Schritt alles gezeigt, sodass er zunächst assistieren und nach zwei Tagen auch seine erste eigene Kastration mit Unterstützung und Überwachung durchführen durfte. Dieses Projekt soll auch künftig stattfinden und für Studenten der Tiermedizin aus aller Welt angeboten werden, um praktische Erfahrungen in allen Bereichen zu sammeln und einen Austausch zu ermöglichen – und natürlich sollen tansanische Tierärzte auch mit integriert werden.

In der viel zu kurzen Zeit auf der Farm habe ich sehr viel erleben und lernen können – sowohl menschlich als auch medizinisch. Neben den gängigen medizinischen Methoden wurde auch Alternativmedizin und Homöopathie angeboten. Manchmal musste mit einfachsten Mitteln improvisiert werden, wie etwa einem selbstgebastelten „Zwangskorsett“ für einen Welpen mit deformiertem Brustkorb – und das war wahnsinnig beeindruckend!

Aktuell wird der Bau der ersten Wildtier-Klinik Tansanias umgesetzt. Da mir die Tiere und Farm so am Herzen liegen und wir in der Tierklinik die Möglichkeit haben, werden wir die Farm auch zukünftig mit Medikamenten oder Sachspenden wie Impfpässen unterstützen und somit einen wichtigen Teil zum Tierschutz beitragen.

Für weitere Informationen stehen die Websites und ich Ihnen gerne jederzeit zur Verfügung.

https://kilimanjaroanimalcrew.org/ & https://reiterhof-kilimanjaro.de/

#getinvolvedandmakethedifference

Ihre Antonia Gerken

 

Ergänzung: Zusätzlich hat der Weser-Kurier zu Antonias Aufenthalt in Tansania berichtet …Bericht lesen (PDF)

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