Erkrankungen des Verdauungstraktes

Zahnerkrankungen

Während bei fleischfressenden Heimtieren wie z.B. dem Frettchen parodontale Erkrankungen und die Entstehung von Zahnstein im Vordergrund stehen, kommt es bei Pflanzenfressern häufig zu Überlängen der Zähne. Kaninchen, Meerschweinchen, Degus und Chinchillas besitzen lebenslang wachsende Backen- und Schneidezähne, bei Kleinnagern wie z.B. Maus, Ratte und Hamster wachsen nur die Schneidezähne dauerhaft. Zahnüberlängen können zu sehr schmerzhaften Zahnspitzen aber auch zu retrogradem Wachstum im Bereich der Zahnwurzeln führen (vereinfacht ausgedrückt: die Zähne wachsen in den Kiefer hinein). Im fortgeschrittenen Stadium können sich Zahnwurzelabszesse bilden.

Anzeichen für das Vorliegen eines Zahnproblems bei Ihrem Heimtier können unter anderem sein:

  • Gewichtsverlust
  • Speichel
  • Verminderte oder vollständig eingestellte Futteraufnahme
  • Das Tier zeigt Interesse am Futter, nimmt aber Keines auf
  • Ungewöhnliche Kaubewegungen
  • Schwellungen im Kieferbereich
  • Ein hervortretendes Auge
  • Einseitiger Nasen- oder Augenausfluss

Um ein Zahnproblem bei ihrem Heimtier diagnostizieren zu können, wird der Kiefer vorsichtig abgetastet. Die Schneidezähne können bei Kaninchen und Nagern von außen betrachtet werden, die Backenzähne müssen mit Hilfe eines Otoskopes untersucht werden. Eine Untersuchung mittels Kieferspreizer wird in unserer Klinik am wachen Tier niemals durchgeführt, da dies mit einem hohen Verletzungsrisiko und Schmerzen verbunden ist.

Sollten aufgrund dieser Untersuchungen Hinweise auf das Vorliegen einer Zahnerkrankung gefunden werden, sind weitere Untersuchungen sinnvoll. Da die Zähne bei pflanzenfressenden Heimtieren zu einem sehr großen Anteil im Kiefer verborgen sind, ist eine Untersuchung mittels Röntgen oder Computertomographie zur Erhebung des vollständigen Zahnstatus nötig. Vor allem bei Kieferabszessen ist eine Diagnostik mittels CT oder Röntgen zur Einschätzung der Prognose und Planung eines möglichen operativen Eingriffes unabdingbar. Korrekturen der Zähne (Abschleifen von Zahnüberlängen oder Spitzen mit rotierenden Instrumenten) können bei Kaninchen und einigen Nagern nur an den Schneidezähnen am wachen Tier sicher durchgeführt werden. Muss eine Backenzahnkorrektur bei ihrem Tier erfolgen, ist eine Narkose zur Vermeidung von Schmerzen und Verletzungen unabdingbar.

 

Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes

Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes kommen bei allen Heimtieren und Vögeln vor, sind aber bei den reinen Pflanzenfressern wie Kaninchen, Meerschweinchen, Chinchilla und Degu besonders häufig.

Neben Infektionserregern können auch eine Fremdkörperaufnahme (z.B. Haare beim Kaninchen, Gummispielzeug beim Frettchen, Fasern des Vogelspielzeugs), falsch angewendete Medikamente (v.a. Antibiotika), eine abrupte Futterumstellung, die Aufnahme von giftigen Stoffen (z.B. schwermetallhaltige Substanzen durch ihren Vogel) und sehr vieles mehr den empfindlichen  Verdauungstrakt unserer Heimtiere und Vögel  belasten. Da Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes sehr schnell lebensbedrohlich werden können, ist es besonders wichtig Verdauungsprobleme zügig zu behandeln. Sollten sie bei Ihrem Tier eines oder mehrere der folgenden Symptome feststellen, ist es ratsam schnellstmöglich einen Termin zu vereinbaren oder im Notdienst vorstellig zu werden.

  • Futterverweigerung
  • Erbrechen
  • Aufgetriebener Kropf bei Vögeln
  • Kein oder stark verminderter Kotabsatz
  • Es wird auf Kot gepresst, aber keiner ausgeschieden
  • Durchfall
  • Sonstige Kotveränderungen (z.B. blutiger Kot, unverdautes Futter (Körner) im Kot etc.)
  • Aufgetriebenes Abdomen
  • Apathisches Verhalten, ihr Tier zieht sich zurück, liegt vermehrt oder dreht ihnen den Rücken zu
  • Ein sonst eher zurückhaltendes Tier ist ungewöhnlich zutraulich
  • Ihr Tier fühlt sich kalt an