„Adia“ und der Gallenstein

„Adia“ und der Gallenstein

Im Mai wurde uns in Achim eine 8 Jahre alte Mischlingshündin namens „Adia“ vorgestellt, der es während der vergangenen Woche zunehmend schlechter ging. Sie hatte zu Anfang der Woche Fieber, inzwischen die Futter- und Wasseraufnahme eingestellt und mochte nicht mehr Gassi gehen.

In der Allgemeinuntersuchung stellte sich die Patientin sehr schlapp dar und wollte nur noch liegen. Ihr Bauch war ein wenig schmerzhaft und sie atmete erschwert. In der Ultraschalluntersuchung zeigte sich eine hochgradige Flüssigkeitsansammlung (Abb. 1) in der Bauchhöhle, die als pathologisch gilt. Eine Untersuchung dieses gelb-wässrigen Sekretes ergab eine hohe Anzahl an Entzündungszellen sowie einen hohen Gehalt des Gallenfarbstoffes Bilirubin. Auch in der Blutuntersuchung konnte eine Erhöhung dieser Werte nachgewiesen werden.

  Abb. 1: Ultraschallbild zeigt hochgradig freie Flüssigkeit (schwarzes Dreieck) in der Bauchhöhle

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 2: Gallenstein

Eine Probelaparotomie war nötig, um festzustellen, wo die Flüssigkeit ihren Ursprung hatte. Nachdem die Flüssigkeit entfernt wurde, konnte das Ausmaß der Erkrankung festgestellt werden. Ursache für eine so genannte Galleperitonitis (Entzündung des Bauchfells durch Gallenflüssigkeit) war eine rupturierte Gallenblase, ausgelöst durch einen Gallenstein (Cholelithen). Diese können sowohl in Folge von Infektionen als auch durch  Gallengangsstauungen entstehen, aber auch bei symptomlosen Tieren gefunden werden.

Daraufhin wurde der Gallenblasengang so abgebunden, dass er weiterhin noch voll funktionsfähig ist und die Reste der Gallenblase entfernt. Nach einer intensiven Spülung der Bauchhöhle und Verschluss der Bauchwunde konnte Adia endlich wieder aufwachen. Es ist wichtig die Gallenflüssigkeit vollständig aus dem Bauch zu entfernen, da diese sehr reizend und auch gefährlich für andere Organe ist und zu Folgekomplikationen führen kann.

Abb. 3: „Adia“ während des stationären Aufenthalts

„Adia“ erholte sich schnell von der Operation, und die Medikamente halfen ihr bei der Genesung. Nach einem 2-tägigen Klinikaufenthalt wurde „Adia“ bei deutlich besserem Allgemeinbefinden aufgrund von starkem Heimweh entlassen. Ihre Werte haben sich schon deutlich gebessert und sie ist auf dem Wege der Besserung. Bald wird sie wieder als Therapiehund einsetzbar sein.

 

Bob hat Lungenwürmer

Vorgestellt wurde uns "Bob", ein vierjähriger Mopsrüde, der seit längerem unter Leistungsschwäche litt. Am Tag der Vorstellung war er nach dem Treppensteigen schon außer Atem, dass er fast kollabiert wäre und sich erst nach längerer Zeit erholte.

Abb. 1: Das ist Bob

Bei der Untersuchung stellte sich der Patient munter dar, jedoch wies "Bob" ein angestrengte Atmung auf. Sehr häufig leiden Möpse und andere kurznasige Rassen unter dem sog. Brachycephalensyndrom, bei dem es aufgrund züchterischer Einflüsse zu einer Verengung der Atemwege kommt, die wiederum zu chronischen Atembeschwerden führen. In unserem Fall war das jedoch nicht das Problem. In der Röntgenaufnahme des Brustkorbes zeigte sich eine Masse in der Lunge.

 
Abb.2: Thoraxröntgen des Patienten. Der markierte Bereich zeigt die Masse in der Lunge

Gemeinsam mit der Besitzerin entschieden wir uns zu einer computertomographischen Untersuchung und Probenentnahme des veränderten Lungenflügels.
Die Computertomographie lieferte uns dabei konkrete Informationen hinsichtlich Größe und Position der Umfangsvermehrung, so dass wir schließlich zielgerichtet Proben für weitere Untersuchungen entnehmen konnten.

Abb. 3: CT-Befund des Patienten. Man kann eindrucksvoll die Masse erkennen, die den Brustkorb verengt.

Gewöhnlich sind solche Untersuchungen ungefährlich, jedoch sollte der Tierarzt erfahren sein, um bei der Probenentnahme nicht versehentlich umliegende Organe zu beschädigen. Die gewonnenen Proben wurde in ein Speziallabor zur Auswertung geschickt. Überraschenderweise lautete der Befund „Lungenwurmbefall“. Dabei handelt es sich um Parasiten, die sich in den Atemwegen einnisten und zu den beschriebenen Problemen führen können. Unbehandelt können sie sogar zum Tod führen. Während Lungenwürmer bei unseren Haustieren früher überwiegend in anderen klimatischen Regionen vorkamen, treten sie mittlerweile immer häufiger auch in Deutschland auf. Dies veranschaulicht einmal mehr, wie wichtig es ist, unsere Hunde und Katzen regelmäßig zu entwurmen. Damit schützen wir nicht nur unsere vierbeinigen Familienmitglieder sondern auch uns vor übertragbaren Erkrankungen. In „Bob`s“ Fall waren  besonders die Intensität des Befalls als auch der röntgenologische Lungenbefund interessant. Denn dieser hätte bei falscher Vorgehensweise leicht zu der Fehldiagnose Lungentumor und damit zu einer falschen Therapie bis hin zur Euthanasie des Patienten führen können.

„Bob“ wurde von uns mit einer einfachen aber zielgerichteten Kombination aus Tabletten und Injektionen behandelt, die insgesamt fast drei Monate dauerte aber zu seiner vollständigen Genesung führte. Nun können er und sein Frauchen wieder lange Spaziergänge machen.


Abb. 4: Röntgenbild nach 8 Wochen. Die Masse ist fast vollständig verschwunden.!!!

Das Klinik-Team schätzt sich glücklich, geholfen zu haben. Wir freuen uns immer, wenn uns „Bob“ besuchen kommt, aber Hauptsache ist er bleibt gesund.

 

Persistierender rechter Aortenbogen (PRAA) bei einem Australien Shepherd Welpen

Im Februar wurde uns in der Tierklinik Achim „Pepper“, eine 9-Wochen-alte Australien Shepherd Hündin, 

vorgestellt. Sie litt unter Regurgitieren. Dieser Begriff bezeichnet in erster Linie das Zurückdringen
von Nahrungbestandteilen aus dem Magen oder der Speiseröhre (Oesophagus) in die Mundhöhle und darf
nicht mit Erbrechen verwechselt werden. Zudem berichtete die Besitzerin, dass „Pepper“ regelmäßig
hustet. In der Allgemeinuntersuchung zeigte die kleine Hündin einen Entwicklungsrückstand im Vergleich
zu anderen Hunden in ihrem Alter. Die Atemwege waren leicht belegt, darüber hinaus machte sie jedoch
einen guten Eindruck.

Die Röntgenuntersuchung nach Kontrastmitteleingabe brachte die Ursache für
„Peppers“ Probleme schnell ans Licht. Auf dem abgebildeten Röntgenbild ist eine deutliche Aussackung
der Speiseröhre (Megaoesophagus), gefolgt von einer Engstelle vor dem Herzen, zu erkennen. Ursache
hierfür ist eine angeborene Entwicklungsstörung, dem sog. persistierenden rechten Aortenbogen (PRAA).
Dies hat zur Folge, dass der Futterbrei nicht ungehindert die Speiseröhre passieren kann. Das Futter
sammelt sich vor der Engstelle, was wiederum zu einer allmählichen Erweiterung der Speiseröhre führt.
Während die fortwährende Passagehemmung eine Mangelernährung der betroffenen Patienten hervorruft,
birgt das Regurgitieren durch den Megaoesophagus die Gefahr, dass Futterbestandteile versehentlich
eingeatmet werden (sog. Aspirationspneumonie). Dadurch entstehen häufig schwerwiegende und tödlich
verlaufende Lungenentzündungen.

Leider ist bei den betroffenen Patienten, zu denen Hunde und Katzen gleichermaßen gehören, eine
Operation unumgänglich. Nur dadurch lassen sich die Missbildung entfernen und die daraus resultierenden möglichen Komplikationen vermeiden. 
Also entschieden wir uns gemeinsammit der Besitzerin, den erforderlichen Eingriff vorzunehmen.
Die Operation kann nur am offenen Brustkorb vorgenommen werden. Dabei wird die persistierende Rechtsaorta, die den Oesophagus umschlingt und zu seiner Einengung führt, durchtrennt und die umgebenen Verklebungen gelöst. Dadurch ist sie für aufgenommenes Futter wieder durchgängig. Leider bildet sich die Aussackung der Speiseröhre in den meisten Fällen trotzdem nicht vollständig zurück, so dass Folgekomplikationen auftreten können. 

Mit dem richtigen Fütterungsmanagement führen die meisten Patienten jedoch ein ungestörtes Leben.

„Peppers“ Operation lief gut, es traten keine  nennenswerte Komplikationen auf. Gegen die Schmerzen
und Infektionsgefahr erhielt sie Medikamente, so dass sie sich rasch erholte und einige Tagen später
entlassen werden konnte.

„Pepper“ hat sich seitdem gut entwickelt. Im März war sie zur Impfung bei uns.

Das gesamte Klinik-Team freut sich sehr, dass wir helfen konnten und „Pepper“ nun die Chance auf ein weitgehend normales Leben hat.


Öffnungszeiten

Termine in unseren Sprechzeiten von 8:30-19 Uhr (Mo-Fr) vereinbaren Sie bitte unter 04297-168990

24h-Notdienst

Erreichen können Sie uns rund um die Uhr unter 04297-168990. Die Klinik ist ständig besetzt.

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