Tetanus bei Frieda

Tetanus bei Frieda
Die dreijährige Mischlingshündin „Frieda“ wurde uns vor einigen Wochen vorgestellt. Es ging ihr schon seit ein paar Tagen schlecht, jedoch hatte sich ihr Zustand nun so zugespitzt, dass sie als Notfall in unsere Klinik kam. Zu den Symptomen zählten hohes Fieber, starker Speichelfluss, Inappetenz und Erbrechen. Zudem zeigte sich eine auffällige Verkrampfung der Gesichtsmuskulatur. Im Rahmen der Allgemeinuntersuchung fanden wir zudem ein wundes Krallenbett an der linken Vorderpfote.

 
Nach einer Reihe erforderlicher Untersuchungen galt die Diagnose Tetanus als gesichert. Hervorgerufen wird diese Erkrankung durch das Bakterium Clostridium tetani, welches sich in Wunden festsetzt, ein Toxin freisetzt und die Funktion bestimmter Nerven in Hirn und Rückenmark schädigt. Synonym wird der Begriff Wundstarrkrampf verwendet. In schwerwiegenden oder zu spät behandelten Fällen verläuft Tetanus tödlich. Begleiterscheinungen sind Schwäche, Muskelsteifheit, unkoordinierter Gang bis hin zu Krämpfen, Atembeschwerden und Muskelspasmen. In besonders schweren Fällen ist die Atemmuskulatur betroffen, so dass es zu Atemstillstand mit Todesfolge kommt. Typischerweise stellt die verkrampfte Gesichtsmuskulatur beim Hund das deutlichste Symptom dar und verleiht betroffenen Patienten das sogenannte Teufelsgrinsen. Da Tetanus beim Hund sehr selten zu finden ist, gibt es keine routinemäßige Impfung. Die Therapie ist aufwendig, erfordert intensive Pflege und dauert in der Regel mehrere Wochen. Die Patienten sind besonders licht- und geräuschempfindlich und sollten daher sehr ruhig und in abgedunkelten Räumen untergebracht werden. Zusätzlich werden Immunseren, Antibiotika und Muskelrelaxantien eingesetzt sowie Medikamente zur Therapie der Begleitsymptome, wie z.B. Fieber. Friedas Fall war schwerwiegend, da sie bereits einige Tage Symptome zeigte als sie bei uns vorstellig wurde. Durch das infizierte Krallenbett waren die Clostridien eingedrungen, setzten ihre Toxine frei und führten zu den oben beschriebenen Krankheitssymptomenm. Neben der stark verkrampften Gesichtsmuskulatur machten ihr vor allem wiederkehrendes hohes Fieber genauso wie ausgeprägte Schluckbeschwerden zu schaffen. Um ihre Ernährung sicherzustellen wurde ihr eine Ernährungssonde gelegt. Besonders eindrucksvoll war, wie sich im Rahmen der dafür erforderlichen Kurznarkose sofort die verkrampfte Muskulatur entspannte.

 
In dem mehr als zweiwöchigen Klinikaufenthalt gab es immer wieder Momente, in denen wir Frieda fast verloren hätten. Aber sie zeigte sich als echte Kämpfernatur und gab nie auf. Nach 14 Tagen konnten wir ihr die Ernährungssonde entfernen, da sie wieder schlucken und selbständig fressen konnte. Die Muskelkrämpfe wurden weniger und das Allgemeinbefinden besserte sich zusehends. Also konnten wir Frieda aus ihrer abgedunkelten „Isolationshaft“ entlassen. Kürzlich war sie zur Nachuntersuchung da. Es geht ihr deutlich besser, und wir gehen davon aus, dass sie endlich über den Berg ist. Wir freuen uns sehr für Frieda und mit ihrer Familie.

Glückliches Ende für Milow

Glückliches Ende für Milow Besonders berührt hat uns die Geschichte von Milow, einem einjährigen Golden-Retriever-Rüden, der uns vor einigen Monaten im Notdienst vorgestellt wurde.
Er hatte einen sehr schlimmen Autounfall, bei dem er unbemerkt über eine längere Distanz hinter dem Wagen weitergeschleift wurde. Als wir ihn untersuchten befand sich der junge Hund im Schockzustand, konnte weder stehen noch gehen und wies über den gesamten Körper großflächige und tiefe Schürfverletzungen auf. Alle großen Gelenke des Körper waren betroffen. Jedoch waren die Sprunggelenke der Hinter- und Vorderläufe besonders stark traumatisiert. Die Gelenk- und Knorpelflächen lagen frei und wiesen einen hohen Kontaminationsgrad auf. Infolge der Reibungshitze entstanden regelrechte Verbrennungen.

Milows Zustand war äußerst kritisch, da wir das volle Ausmaß seiner Verletzungen noch nicht abschätzen konnten. Mit weiterführenden Untersuchungen ließen sich schwerwiegende innere Verletzungen jedoch glücklicherweise ausschließen. Der junge Hund wurde von seiner Familie als vollwertiges Mitglied angesehen. Daher war von Anfang klar, dass wir medizinisch alles mögliche tun sollten, um sein Leben zu retten und ihm wieder auf die Beine zu helfen.

Nach der anfänglichen Schocktherapie legten wir Milow in Narkose, um seine Wunden von Schmutz und totem Gewebe zu befreien. Alleine dieser Vorgang nahm fast drei Stunden in Anspruch. Nachdem er die aufwendige Prozedur gut überstanden hatte kam der Hund auf unsere Intensivstation, wo er für über eine Woche betreut wurde. Nach einigen Tagen musste er sich einer zweiten Operation unterziehen, da wir aufgrund seiner starken Pfotenverletzungen zwei Zehen amputierten und seine Wunden jetzt vollständig verschließen wollten.
Zweimal täglich versorgten wir schließlich Milows Pfoten und Wunden mit Salbenverbänden. Außerdem erhielt er starke Medikamente, da er anfänglich aufgrund ausgeprägter Schmerzen kaum stehen konnte und sich seine Wunden zu entzünden drohten.

Auch Dank seiner Familie, die ihn jeden Tag besuchte, gab sich der junge Hund nie auf und erholte sich schrittweise von seinem Trauma. Die Wunden heilten zusehends, so dass wir ihn nach einer guten Woche zur ambulanten Behandlung entließen. Seine vollständige Genesung sollte sich jedoch noch Monaten hinziehen.
Kürzlich wurde uns Milow nun zum Impfen vorgestellt. Wir konnten mit eigenen Augen sehen, wie toll er sich entwickelt hat. Seine Wunden sind toll abgeheilt. Er läuft beschwerdefrei und auch psychisch hat er die schwere Zeit ohne bleibende Schäden überstanden. Lediglich seine Narben erinnern an den schrecklichen Unfall. Heute kann er endlich wieder das Leben führen, dass dem eines jungen und sonst kerngesunden Hundes würdig ist. Erinnern werden wir uns sicher noch lange an ihn.

Tennisbälle im Magen


Diesen Monat wurde uns Simon, ein junger Labrador vorgestellt. Er hatte ziemlich starke Bauchschmerzen. Seine Besitzer berichteten uns, dass er es - so wie viele andere Hunde seines Alters - liebt, draußen mit Stöcken und Bällen zu spielen.
In seiner Begeisterung für die Spielzeuge hatte er wohl Angst, diese mit seinen Artgenossen teilen zu müssen, weshalb er vermutlich einen verschluckte. Das Röntgenbild offenbarte jedoch viel schlimmeres, denn Simon hatte sogar zwei größere Bälle verschluckt. 

Für uns Tierärzte ist es immer wieder erstaunlich, dass auch größere Gegenstände wie Tennisbälle problemlos durch die Speiseröhre in den Magen gelangen. Während sich die meisten Fremdkörper endoskopisch entfernen lassen, war hier schnell klar, dass nur eine Operation schnelle und unkomplizierte Abhilfe verschaffen würde.

Die Bälle konnten schließlich in einer ca.einstündigen Operation aus dem Magen entfernt werden.


Für Simon hatte seine Leidenschaft jedoch weitere medizinische Konsequenzen. Denn wenn immer im Rahmen einer Operation der Magen-Darmtrakt eines Patienten eröffnet und wieder genäht werden muss, bedeutet es, dass der Patient für 1-3 Tage im Krankenhaus zu Beobachtung bleiben muss. Als gefährlichste Komplikation gilt, wenn es entlang der Nahtstellen zu kleinen Rissen kommt, in deren Folge Futter- oder Kotbrei in den Bauchraum laufen kann. Derartige Komplikationen kommen sehr sehr selten vor, können aber im schlimmsten Fall tödlich verlaufen. Deshalb werden manchmal je nach Verlauf und Zustand der Patienten täglich Blut- und Ultraschallkontrollen durchgeführt.



Bei Simon ist aber alles unkompliziert verlaufen. Er wurde am Tag nach der Operation bereits wieder vorsichtig getränkt und gefüttert. Die Ultraschallkontrollen ergaben, dass die Magennähte intakt waren, und auch sein Allgemeinbefinden war völlig ungetrübt. Deshalb durfte er zwei Tage nach der Operation wieder zu seinen Besitzern nach Hause.
Dieser Fall veranschaulicht einmal mehr, dass Spielzeuge für unsere Haustiere auch gefährlich sein können. Deshalb gilt es trotz aller Tierliebe und dem Drang, unsere Lieblinge zu verwöhnen, auch die nötige Vorsicht walten zu lassen. Jedoch sind wir sehr froh, dass in diesem Fall alles glimpflich verlaufen ist. Ob es Simon jedoch eine Lehre sein wird, bleibt abzuwarten.

 

„Schnuckis" langer Weg!

Im August dieses Jahres wurde uns Schnucki, eine 12-jährige Malteser-Hündin, vorgestellt.
Auf einem Parkplatz wurde sie von einem Auto überfahren, während sie von ihrem Frauchen an der Leine geführt wurde. Durch den Autounfall war ihr Becken zertrümmert. Sie war nicht in der Lage zu stehen oder zu gehen und hatte sehr starke Schmerzen. Die Verletzungen waren so schwerwiegend, dass wir mit ihrem Frauchen auch offen diskutierten, ob man sie nicht besser erlösen sollte.
Aber die Besitzerin glaubte an das kleine Kämpferherz war fest entschlossen, ihr eine Chance zu geben. Also wollten auch wir alles medizinisch und menschlich erdenklich Mögliche tun, um „Schnucki“ zu helfen!

Patienten mit so schweren Verletzungen bedürfen einer besonderen Hingabe und Zuwendung, da sie zumeist im Schockzustand vorgestellt werden, der vor allen anderen Maßnahmen zuerst behandelt werden muss. Anderenfalls können sie akut versterben. Auch nach der Operation benötigen die Tiere eine intensive Betreuung, weil unterschiedliche Medikamente über die Vene verabreicht

werden müssen und (ähnlich wie beim Menschen) ein regelmäßiges Wenden erforderlich ist.
Ferner haben die Patienten bei Beckenbrüchen häufig Probleme mit dem Kot- und Urinabsatz der medizinisch unterstützt werden muss.
„Schnucki“ konnte mittels Tropfinfusion, Schmerzmedikamenten und anderen Maßnahmen erfolgreich stabilisiert werden. Am Folgetag fand die erste Operation statt. Insgesamt waren zwei Operationen erforderlich, um das Becken wieder aufzurichten und dauerhaft zu stabilisieren.
Die Eingriffe waren erfolgreich, jedoch starb die Haut infolge des Unfalls an unterschiedlichen Bereichen des Beckens ab und musste in mehreren Etappen abgetragen werden. Nur so konnte neues Gewebe nachwachsen und die großen Defekte sich schrittweise verschließen. Doch Frauchen ließ sich nie entmutigen, da auch ihr Liebling immer gut mitarbeitete und einen ausgeprägten Lebenswillen aufwies.

Es war ein langer Weg. Jedoch machte „Schnucki“ stets Fortschritte. Heute, drei Monate nach der ersten Operation, kann sie wieder laufen und toben. Alle Wunden sind gut verheilt. Die kleine Hündin kann ihren Lebensabend genießen und Frauchen ist glücklich, dass ihr Liebling wieder ganz die alte ist.

Wir freuen uns sehr, dass wir helfen konnten. „Schnuckis“ Lebenswille und die Ausdauer ihres Frauchens haben schließlich zu einem guten Ende geführt.
Das Team der Tierklinik Posthausen fühlt sich geehrt, dass wir dieses Weg begleiten durften.

Magendrehung eines Bernhardiners

Notfall: Magendrehung

Anfang des Monats kam der 84 Kilogramm schwere Bernhardiner Nemo als absoluter Notfall in unsere Klinik. Er hatte einen extrem aufgetriebenen Bauch ('Trommelbauch') und war sehr schlapp. Zu Hause versuchte er zu erbrechen ohne dass er etwas heraus würgen konnte. Nemo hechelte stark, zeigte Schmerzen und wurde zunehmend schwächer.

Durch das klinische Bild und die Röntgenuntersuchung stellten wir eine Magendrehung fest. Nun durfte keine Zeit verloren gehen, denn Nemo war in Lebensgefahr. Zunächst musste sein Kreislauf stabilisiert werden, danach kam er sofort in den OP. Durch die Drehung und die hochgradige Aufgasung des Magens kommt es zur Abschnürung lebenswichtiger Gefäße wodurch sich ein Schockgeschehen entwickelt und durch die verminderte Durchblutung Anteile des Magens oder die gesamte Milz absterben kann.

Bei der Operation wurde der Magen zunächst entgast, wieder in Position gebracht und per Magensonde entleert und gespült. Alle weiteren Organe wurden untersucht – sie waren zum Glück alle vital. Um ein Wiederauftreten der Magendrehung zu verhindern wurde der Magen an der Bauchwand fixiert. Nun konnte die Bauchwunde in mehreren Schichten verschlossen werden und Nemo langsam aufwachen. Doch er war noch nicht außer Lebensgefahr:

Durch den verdrehten Magen kommt es zu Blutstauungen im Bauchraum. Dadurch besteht die Gefahr einer Infektion und Endotoxämie (Vergiftung die durch den Zerfall von Bakterien verursacht wird. Die Bakterien enthalten Giftstoffe (Endotoxine), die nach dem Absterben ins Blut gelangen können). Außerdem entstehen durch die schwere der Erkrankung häufig Herzrhythmusstörungen, die eine ernsthafte postoperative Komplikation darstellen.

Nemo wurde von uns also intensiv überwacht und auch ein EKG wurde regelmäßig geschrieben. Es kam zu keinerlei Komplikationen und er konnte bald nach Hause entlassen werden. Zu Hause wurde Nemo weiterhin gut umsorgt und beobachtet. Zur Entlastung des Magens bekam er von Frauchen mehrfach am Tag kleine Mengen von mit Wasser vermengtem Futter. Er erholte sich prächtig und auch die Wunde heilte gut.

Inzwischen erinnert nur noch die Lange Narbe am Bauch an Nemos schwere Notoperation.

 

Wodurch kommt es zur Magendrehung?

Die genaue Ursache ist bislang noch nicht vollständig geklärt. Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen:

  • meistens sind große Hunde betroffen, eine schmale und tiefe Brustkorbform begünstigt das Auftreten einer Magendrehung. Selten kommt/tritt sie bei kleineren Rassen oder Katzen auf
  • Als weitere Ursache wird auch eine herabgesetzte Magenendleerung diskutiert
  • ebenso ist eine genetische Prädisposition möglich
  • eine einmalige Fütterung und eine Fütterung aus einer erhöhten Position steigern das Risiko für das Auftreten einer Magendrehung

 

Wie sieht eine Magendrehung aus?

Die Hunde versuchen zu erbrechen, können aber nichts heraus würgen. Durch die zunehmende Aufgasung erweitert sich der Bauch sehr stark, die Tiere zeigen Ruhelosigkeit, später Schwäche bis hin zur Apathie. Teilweise befinden sich die Tiere auch schon in Seitenlage und sind eingetrübt in ihrem Bewusstsein.

 
Was ist zu tun, wenn der Verdacht einer Magendrehung besteht?

Eine Magendrehung ist ein absoluter Notfall und es darf keine Zeit verloren gehen. Sie müssen sich so schnell wie möglich auf den Weg zu Ihrem Tierarzt machen, damit der bald eintretende Schock behandelt werden kann und alle weiteren Notfallmaßnahmen eingeleitet werden können. Informieren Sie Ihren Tierarzt noch bevor Sie losfahren oder während der Fahrt, welchen Verdacht Sie haben und wann Sie ankommen werden. Dies ermöglicht eine gute Vorbereitung in der Praxis oder Klinik und verhindert, dass unnötig Zeit verschenkt wird. Sobald Sie angekommen sind kann dann sofort mit der Stabilisierung und später mit der Operation begonnen werden.

 

Röntgenbild einer Magendrehung:

 

Deutlich zu erkennen ist der hochgradig aufgegaste Magen. Die Gewebefalte im vorderen Bereich beweist die Drehung des Magens.

Öffnungszeiten

Termine in unseren Sprechzeiten von 8:30-19 Uhr (Mo-Fr) vereinbaren Sie bitte unter 04297-168990

24h-Notdienst

Erreichen können Sie uns rund um die Uhr unter 04297-168990. Die Klinik ist ständig besetzt.

Überweisungen

Hier finden Sie Informationen zu Überweisungen. Das Überweisungsformular können Sie hier laden.